Idee

Gibt’s hier was umsonst?

Das wird sich so mancher fragen, der Samstagvormittag kurz vor 11 die Rothenburger Straße entlang fährt. Vor der Hausnummer 51a steht eine kleine Traube Menschen, die schon ungeduldig wartet, bis sich um 11 Uhr die Türen öffnen. Einige Menschen sind schwer bepackt mit vollen Körben und Taschen, um ihre vielen Schätze abzugeben. Andere warten darauf, ihre leeren Beutel zu füllen und einen tollen Fund zu machen.

Denn es gibt hier tatsächlich etwas umsonst. Im 20 Quadratmeter großen Raum wartet auf die Besucher von 11 – 13 Uhr eine Auswahl an Kleidung, Büchern, Küchenutensilien, Spielzeug und vieles mehr. Bezahlt werden muss nichts, es besteht aber die Möglichkeit etwas zu spenden. Jeder kann bis zu drei Teile mitnehmen, ohne dafür etwas bringen zu müssen.

Ohne die Mitarbeiter würde der Umsonstladen nicht funktionieren. Es muss geputzt und aufgeräumt werden, sowie neue Artikel einsortiert und Ladenhüter umgelagert werden. Dienen, damit sich andere dienen lassen können. Es werden noch dringend Ehrenamtliche gesucht, die bereit sind, alle zwei Monate drei Stunden im Laden mitzuhelfen. Bei Interesse bitte unter info@umsonstladen-nuernberg.de melden.
 

Idee und Gründung
Der Umsonstladen wurde 2008 von zwei Mitgliedern der Jesus Freaks Gemeinde gegründet und ins Leben gerufen.

Die Jesus Freaks Nürnberg, eine freie evangelische Gemeinde bezahlen als Verein bis heute die Miete für den Umsonstladen (Bisher kann nur ein sehr geringer Anteil der Miete durch Spenden getragen werden).
Das Umsonstladenteam besteht jedoch gezielt aus einer bunten Mischung ehrenamtlicher Mitarbeiter aller möglichen Denominationen!!

Wichtig
Der Umsonstladen ist zwar ein christliches Projekt, versteht sich jedoch nicht als reines „Hilfsprojekt für Bedürftige“.
Das bedeutet konkret Reiche und Arme dürfen geben und nehmen. Auch die allesamt ehrenamtlichen Mitarbeiter haben in abgestecktem Rahmen die Möglichkeit, etwas Schönes umsonst und als Dank für ihre Arbeitskraft zu behalten.

Philosophie
Der Umsonstladen ist ein erster Schritt einer praktischen Waren- und Konsumkritik.
Der Ausdruck „Laden“ im Umsonstladen war von Anfang an als praktisch-ironische Wertkritik gemeint: Ein Laden, in dem die Dinge „umsonst“ gegeben werden, ist ja kein Laden! Der Umsonstladen soll vielmehr aus den Fähigkeiten der sich aktivierenden Menschen eine Projektgemeinschaft aufbauen, die ein Stück Erwerbsarbeit durch verabredete und spontane gegenseitige Hilfen ersetzt ohne die „Krücke Geld“ dafür zu brauchen.

Schenken
Diese Tätigkeit gab es nachweislich schon vor Beginn der einfachen Warenproduktion, also seit Tausenden von Jahren. Die persönliche GABE als Ausdruck von Zuneigung, Wertschätzung und Gastfreundschaft spielt gerade in der Gegenwart, in der fast alles zur Ware geworden ist, weiterhin eine bedeutende Rolle. Das Schenken ist auch heute ein Zeichen praktischer Menschlichkeit.

Ausmisten, entrümpeln –Ballast loswerden – kann etwas herrlich Befreiendes sein. Indem man Dinge los wird, die man nicht mehr braucht, gewinnt man nicht nur neuen Platz, sondern auch mehr Übersicht und Klarheit – sei es jetzt im Büro, als auch in der Wohnung. Der Umsonstladen hilft Menschen sich von überflüssigem Ballast zu befreien.

Wegwerfgesellschaft und Mainstream
Viele unserer Güter werden bewusst so konstruiert, dass sie nicht nachhaltig und extrem schnelllebig sind- wie auch unsere Gesellschaft. Sei es Mode- heute top morgen flop- oder Dinge die einfach total schnell kaputtgehen (sollen). Einen Bezug zu unseren Gütern haben wir kaum noch. Im Umsonstladen ist die Möglichkeit Dinge zu finden die entgegen dem momentanen Werbetrend liegen oder sich aus Teilen Dinge selbst zu konstruieren/nähen die garantiert einzigartig sind!

Entfremdung
Durch die Einführung von Geld anstelle des direkten Tausches haben wir den natürlichen und persönlich-menschlichen Handel mit Gütern verlernt. Der menschliche Kontakt wurde durch Kassen und Preiszettel und undurchsichtige Produktionsvorgänge abgelöst, der zwischenmenschliche Kontakt und der direkte Bezug zur Ware wurde uns entfremdet. Der Umsonstladen bietet die Möglichkeit, dass die natürliche Beziehung zwischen Menschen und Gütern durch direkten Kontakt wieder stattfindet.

Spiritualität
Indem wir uns, unseren Gütern und unseren Mitmenschen so fremd geworden sind, haben wir oft auch eine sehr entfremdete Beziehung zu unserem Schöpfer. Die Sehnsucht ist zwar da, aber es geht alles so schnell und so unnatürlich/unbelebt zu. Indem wir uns entschleunigen und uns und unseren Mitmenschen wieder begegnen ist auch die Möglichkeit, sich über Gott auszutauschen und sich für ihn und seine Liebe öffnen zu können. Im Umsonstladen besteht die Möglichkeit sich über spirituelle Dinge auszutauschen oder nach Orten der Ruhe und des Gebets zu fragen mit denen wir vernetzt sind.